Marokkanische Kleidung: Kaftan, Djellaba und mehr
Aktualisiert am 7. Juli 2026
Die marokkanische Tracht dreht sich um fünf Kernstücke: den Kaftan, ein einteiliges Festgewand; die Takchita, seine zweiteilige Form; die Djellaba, das Alltagsgewand mit Kapuze; den Jabador, den zweiteiligen Herrenanzug; und die Gandoura, die leichte Tunika. Dieses Glossar erklärt jeden Begriff, die Schreibweisen und wann man es trägt, mit Stücken aus dem BeldiWear-Atelier in Meknes.
Die marokkanische Tracht kennt fünf Kernstücke. Der Kaftan ist ein einteiliges, festliches Gewand; die Takchita ist seine zweiteilige, formellere Form; die Djellaba ist das alltägliche Gewand mit einer spitzen Kapuze; der Jabador ist der zweiteilige Herrenanzug; und die Gandoura ist die leichte, legere Tunika.
Dieses Glossar erklärt jeden Begriff, die je nach Markt unterschiedlichen Schreibweisen und den Anlass, zu dem man das Stück trägt. Auf die fünf Kernstücke folgen die Stoff- und Handwerksbegriffe, die sie vollenden, damit Sie die gesamte marokkanische Garderobe in einer Übersicht lesen.
Was sind die wichtigsten Arten marokkanischer Tracht?
Die marokkanische Kleidung ist um einen kleinen Satz benannter Stücke aufgebaut, von denen jedes an einen Anlass und einen Grad an Förmlichkeit gebunden ist. Die fünf Kernstücke sind das weibliche Zeremonienpaar Kaftan und Takchita, der männliche Zeremonien-Jabador, die gemeinsame Alltags-Djellaba und die gemeinsame legere Gandoura. Alles Weitere in dieser Liste vollendet eines dieser Stücke oder beschreibt, wie es gefertigt wird.
Die folgende Übersicht stellt die fünf nach den Punkten gegenüber, die in der Praxis zählen: Anzahl der Teile, Kapuze, Trägerin oder Träger und Anlass. So behalten Sie den gesamten Wortschatz: zwei weibliche Feststücke, ein männliches Feststück und zwei Stücke, die alle tragen. Der Rest der Liste sind Zubehör- und Handwerksbegriffe, die eines dieser Stücke ergänzen oder beschreiben, wie es entsteht.
| Kleidungsstück | Teile | Kapuze | Getragen von | Typischer Anlass |
|---|---|---|---|---|
| Kaftan | Ein Gewand | Nein | Frauen (historisch alle Geschlechter) | Zeremonie, Fest |
| Takchita | Zwei (Kleid + Überkleid + Gürtel) | Nein | Frauen | Hochzeiten, hohe Förmlichkeit |
| Djellaba/jellaba | Ein Gewand | Ja | Männer und Frauen | Alltag, festlich mit Borte |
| Jabador | Zwei (Tunika + Hose) | Nein | Männer | Hochzeiten, Eid, Hennaabend |
| Gandoura/gandura | Eine Tunika | Nein | Männer und Frauen | Sommer, zu Hause, leger |
Kaftan (قفطان)
Ein Kaftan ist ein langes, einteiliges Festgewand mit langen Ärmeln und ohne Kapuze, verziert mit Stickerei, Borte und Zierknöpfen und zu festlichen Anlässen getragen. Kennzeichnend sind der einlagige Schnitt, die offene oder geknöpfte Vorderseite und die Dichte der Verzierung. Im marokkanischen Gebrauch ist der Kaftan die Grundlage der festlichen Damengarderobe, auch wenn ihn historisch alle Geschlechter und der Hof trugen. Man sieht ihn bei Hochzeiten, zu Eid und bei anderen Festen, wo Farbe und Stickdichte den Grad der Förmlichkeit bestimmen.
Die Schreibweise hängt vom Markt ab. Im Deutschen und im Niederländischen ist Kaftan üblich; in den USA, Kanada und Frankreich heißt es caftan; und im Spanischen trägt das Wort einen Akzent, caftán. Gemeint ist stets dasselbe Kleidungsstück. Ein authentischer marokkanischer Kaftan ist zudem in Handarbeit gefertigt, kein Kostüm von der Stange. Wer nach handgemachter marokkanischer Kleidung sucht, meint genau dieses Stück: einen von Hand gearbeiteten Kaftan, nicht die Massenware aus dem Regal.
Das Handwerk hinter dem Kaftan ist international anerkannt. Am 10. Dezember 2025 nahm die UNESCO auf ihrer zwanzigsten Tagung in Neu-Delhi „Moroccan Caftan: art, traditions and skills“ in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf, unter der Referenz RL/02077. Die Eintragung schützt die zugehörigen Fertigkeiten: Weben, Schneidern, Knopffertigung, Bortenarbeit und Stickerei.
Takchita (takshita · تكشيطة)
Eine Takchita ist die zweiteilige Form der marokkanischen Zeremonienkleidung: ein Unterkleid, die Tahtia, unter einem offenen, reich gearbeiteten Überkleid, der Dfina oder Fouqia, an der Taille mit einem Ziergürtel, der Mdamma, geschlossen. Ein Kaftan ist ein Stück; eine Takchita zählt zwei Stücke plus den Gürtel. Genau diese zusätzliche Lage macht die Takchita zur formelleren, aufwendigeren Wahl und zum Standard für Bräute und für Gäste bei höchster Förmlichkeit.
Als formellstes Stück liest sich die Takchita durch die Silhouette des Überkleids, das das Unterkleid durchscheinen lässt, und durch den schwer gearbeiteten Gürtel, oft das aufwendigste Teil des Ensembles, gefertigt aus getriebenem Metall, geflochtener Kordel oder besticktem Stoff. Bei einer Hochzeit ist sie das Herzstück der Braut; unser Leitfaden, was man zu einer marokkanischen Hochzeit trägt ordnet das Stück in den Ablauf ein. Durch Aufbau und Stoffe steht die Takchita meist an der Spitze des marokkanischen Festbereichs. Zwei Lagen und ein Gürtel bedeuten eine Takchita; ein einzelnes Gewand bedeutet einen Kaftan. Bei sehr förmlichen Feiern greifen auch enge Angehörige zur Takchita statt zum Kaftan.
Djellaba (jellaba · جلابة)
Eine Djellaba ist ein langes, weit fallendes Obergewand mit vollen Ärmeln und einer charakteristischen spitzen Kapuze, im Marokkanischen qob genannt, das in ganz Marokko von Männern wie Frauen getragen wird. Die Kapuze ist der entscheidende Unterschied zum Kaftan: Eine Djellaba hat eine, ein Kaftan nicht. Historisch hatte diese Kapuze einen praktischen Zweck in einem Land mit starker Sonne und kalten Bergwintern: Sie schützt den Kopf vor Hitze, Staub und Regen.
Die Djellaba ist das vielseitigste Stück der Garderobe, denn sie reicht von schlichter Alltagskleidung bis zum gepflegten Festgewand. Eine Alltags-Djellaba besteht aus leichter Baumwolle oder Leinen für den Sommer oder aus Wolle und Flanell für den Winter. Eine formelle Djellaba erhält Sfifa, die von Hand genähte Borte entlang des Vorderverschlusses und des Kapuzenrands, und Aqad, die Knopf-Schlaufen-Verschlüsse am Kragen. Gerade diese handwerkliche Verarbeitung unterscheidet authentische marokkanische Tracht von Konfektion. Die Herren-Djellaba ist meist schlichter in Farbe und Detail als die Damenform und lebt von der Qualität des Stoffs.
Gandoura (gandura · قندورة)
Eine Gandoura ist eine einteilige marokkanische Tunika, leichter und offener als eine Djellaba, oft ärmellos oder kurzärmelig und ohne Kapuze, von Männern und Frauen als Sommer- und Hauskleidung getragen. Wo die Djellaba ein strukturiertes Obergewand ist, ist die Gandoura locker, luftig und leger. Sie ist meist das schlichteste und günstigste der Kernstücke, gelegentlich mit einer einfachen Borte am Halsausschnitt versehen.
Durch diese Schlichtheit ist die Gandoura oft das erste marokkanische Stück für alle, die die Garderobe kennenlernen, und im Sommer fester Bestandteil des Hauses. Sie ist für Wärme und Bequemlichkeit gedacht, nicht für den großen Anlass; dafür wählt man einen Jabador oder eine formelle Djellaba. Im Gandoura-Angebot für Herren sehen Sie, wie leichte Baumwolle und Leinen den Schnitt kühl halten, während die weite Passform die Luft zirkulieren lässt. Oft trägt ein Mann sie zu Hause, bevor er zum Ausgehen in einen Jabador oder eine formelle Djellaba wechselt. Damit ist sie der bequeme Einstieg in die marokkanische Garderobe.
Jabador (جابادور)
Ein Jabador ist ein zweiteiliges marokkanisches Herrenoutfit: eine tailliert geschnittene Tunika über einer passenden Hose aus demselben Stoff, ohne Kapuze. Weil er enger und strukturierter ist als die lockere Djellaba, wirkt er formell, und er ist die feste Herrenwahl für Hochzeiten, den Hennaabend, Familienfeste und beide Eid-Feste. Der Jabador ist das männliche Gegenstück zur weiblichen Takchita: Beide sind zweiteilige Zeremonien-Sets.
Die Verarbeitung macht den Rang aus. Die Tunika hat meist einen Steh- oder Mandarinkragen, Sfifa-Borte entlang der Knopfleiste und Aqad-Knopfschlaufen; Gabardine ergibt einen sauberen Fall, Brokat eine höhere Förmlichkeit. Im Jabador-Angebot findet sich dieser Aufbau wieder, in Standardgrößen oder maßgefertigt. Viele Familien kaufen den Jabador als Teil eines aufeinander abgestimmten dreiteiligen Sets aus Tunika, Hose und einem begleitenden Stück. Für ein Eid-Gebet, eine Hochzeit oder eine Aqiqah wählt ein Mann oft gerade den Jabador statt der Djellaba, weil der Schnitt sofort zeigt, dass der Tag ein Anlass ist.
Kamkha (Seidenbrokat · كمخة)
Von den Kleidungsstücken gehen wir zu den Stoff- und Handwerksbegriffen über, die sie vollenden. Kamkha ist Seidenbrokat: die reich gemusterte, gewebte Seide, die traditionell für die formellsten Kaftane und Takchitas verwendet wird, mit ins Gewebe eingewobenem statt aufgedrucktem Muster. Kamkha bedeutet gewebten Seidenbrokat, einen ausgesprochenen Anlassstoff.
Kamkha gehört zur Spitze des zeremoniellen Bereichs. Fall und Gewicht unterscheiden echten Brokat von bedrucktem Polyester: Ein gewebter Stoff hängt schwerer und fängt das Licht anders. Im Kamkha-Kaftan für Damen bildet die gewebte Seide die Grundlage eines Feststücks, der Unterschied zwischen einem Stück für den großen Abend und einem leichteren Alltagsmodell. Brokat, Samt und Seide tragen ein Gewicht und einen Fall, den bedrucktes Polyester nicht nachbildet.
Sfifa (Borte · سفيفة)
Sfifa ist die traditionelle, von Hand genähte Borte, die entlang der Öffnungen, des Kapuzenrands und der Knopfleisten eines Kleidungsstücks verläuft. Die Gleichmäßigkeit der Sfifa ist eines der deutlichsten Zeichen eines von Hand verarbeiteten Stücks. Die Handwerkerin oder der Handwerker flicht feine Kordel, oft aus Seide, und näht sie entlang der Kanten, sodass sie die Öffnung zugleich einfasst und verziert. Auf einem einzigen Festgewand kann die Sfifa entlang der gesamten Vorderleiste, um den Kragen und über den Saum verlaufen, was für sich schon Stunden an Näharbeit bedeutet.
Sfifa erscheint auf formellen Djellabas, Jabadors und Kaftanen, und bei vielen Stücken bildet dieselbe geflochtene Kordel auch die Schlaufe des Verschlusses. Sie ist eine der Fertigkeiten, für die das Handwerk der Ateliers von Meknes bekannt ist, und ein verlässliches Zeichen, dass eine echte Hand das Stück vollendet hat. Maschinell gepresstes Band hat nicht die leichte, lebendige Unregelmäßigkeit von Hand aufgebrachter Borte.
Aqad (akaad · عقاد)
Aqad sind die Knopf-Schlaufen-Verschlüsse, oft aus gerollter Seidenkordel geknotet, die Kragen und Vorderseite eines Kaftans, einer Djellaba oder eines Jabadors schließen; sie sind zugleich funktional und dekorativ. Von Hand geknotete Aqad, statt Druckknöpfen aus Plastik oder einem verdeckten Reißverschluss, sind ein Zeichen authentischer Verarbeitung. Jeder Knoten ist eine kleine, feste Kugel aus Kordel mit passender Schlaufe.
Die Knöpfe entstehen einzeln von Hand, ein eigenes Handwerk, und gehören auf formellen Stücken mit der Sfifa zusammen: dieselbe Hand, dieselbe geflochtene Kordel. Eine lange Reihe gleichmäßiger Aqad entlang der Vorderseite verlangt Stunden präziser Arbeit. Ein maschineller Nachbau ersetzt sie oft durch Druckknöpfe oder einen verdeckten Reißverschluss, weil sich Handknoten nicht in Serie fertigen lassen.
Maalem (maalam · معلم)
Ein Maalem ist ein Meister-Handwerker oder eine Meisterin: Der Titel bezeichnet die höchste Stufe des Könnens in einer Werkstatt und wird für die Menschen verwendet, die Borten-, Knopf- und Stickarbeit anleiten. Der Maalem ist der Mensch hinter der Handarbeit. Die Maalem-Arbeit ist die Stufe, auf der das höchste Können eines Stücks zusammenläuft, von der feinen Oberflächenstickerei bis zur Metallfadenarbeit.
Marokkos Stickereistädte haben jeweils ihre eigene Schule: Fès, Rabat, Tétouan und Meknes. Die Stücke von BeldiWear entstehen seit 1985 im Atelier in Meknes, einer Tradition, deren Wurzeln die lokale Überlieferung in der kaiserlichen Vergangenheit der Stadt verortet. Es ist dieses menschliche Können, von Hand zu Hand weitergegeben, das ein Stück zu echter Tracht macht. Jede Stadt hat ihre eigenen Motive und ihr eigenes Farbspektrum, sodass ein geübtes Auge lesen kann, wo ein Stück entstand.
Balgha (belgha · بلغة)
Balgha sind die weichen, spitzen, hinten offenen Lederpantoffeln, die einen formellen marokkanischen Auftritt vollenden, für Männer wie Frauen; kein zeremonieller Look gilt ohne sie als vollständig. Die Balgha ist der traditionelle Abschluss des Looks, nicht bloß eine Nebensache.
Für eine Alltags-Djellaba ist die Balgha schlicht, in Naturton oder weißem Leder; für einen Jabador oder eine formelle Djellaba auf einer Hochzeit oder zu Eid wählt man feineres, sorgfältiger gearbeitetes Leder. Dieser Schritt vom Alltäglichen zum Festlichen macht die Garderobe komplett. So folgt die Balgha demselben Sprung wie die Kleidung darüber, vom täglichen Gebrauch bis zum Festtag.
Häufig gestellte Fragen
- Caftan oder Kaftan: Ist das dasselbe?
- Ja. Es sind zwei Schreibweisen desselben Kleidungsstücks. In den USA, Kanada und Frankreich heißt es caftan; in Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland Kaftan; und im Spanischen caftán mit Akzent. Gemeint ist stets ein langes, verziertes Festgewand ohne Kapuze, unabhängig von der Schreibweise.
- Was ist der Unterschied zwischen einem Kaftan und einer Takchita?
- Ein Kaftan ist ein einziges fließendes Gewand. Eine Takchita ist zweiteilig: ein Unterkleid unter einem offenen Überkleid, an der Taille mit einem Ziergürtel geschlossen. Die Takchita ist die formellere der beiden und die übliche Wahl für die Braut und für Gäste bei sehr förmlichen Anlässen. Zwei Lagen und ein Gürtel bedeuten Takchita; ein einzelnes Gewand bedeutet Kaftan.
- Was ist der Unterschied zwischen einer Djellaba und einem Kaftan?
- Die Kapuze. Eine Djellaba hat eine spitze Kapuze und ist alltägliche, geschlechtsübergreifende Kleidung; ein Kaftan hat keine und ist ein verziertes Festgewand. Die Kapuze ist der schnellste Weg, die beiden zu unterscheiden. Darüber hinaus reicht die Djellaba von schlichter Alltagskleidung bis zum formellen Stück, während der Kaftan von jeher festlich und dekorativ ist.
- Was tragen marokkanische Männer zu einer Hochzeit oder zu Eid?
- Einen Jabador, das taillierte zweiteilige Set aus Tunika und Hose, oder eine fein gearbeitete formelle Djellaba mit Borte. Vollendet wird der Look mit Balgha, den weichen Lederpantoffeln. Der Jabador ist die feste Wahl für die großen Tage, weil der engere Schnitt sofort zeigt, dass der Tag ein Anlass ist.
- Sind marokkanische Kleidungsstücke dasselbe wie ägyptische oder Golf-Gewänder?
- Nein. Die marokkanische Djellaba hat eine Kapuze; die ägyptische oder sudanesische Galabeya oder Jellabiya ist ein anderes, kapuzenloses Kleidungsstück; und der Thobe vom Golf ist wieder etwas anderes. Die Namen klingen verwandt, doch es sind verschiedene Stücke aus verschiedenen Traditionen.
- Woran erkennt man ein wirklich handgefertigtes marokkanisches Kleidungsstück?
- An von Hand aufgebrachter Sfifa-Borte, von Hand geknoteten Aqad-Knöpfen und -Schlaufen, der Stickerei eines Maalem und an gewebtem Brokat oder Seide statt bedrucktem Stoff. Wer Stadt, Viertel und Schule nennen kann, beschreibt echtes Handwerk, keine Konfektion. Auch das gewebte Material selbst, Brokat, Samt oder Seide statt bedruckter Ware, gehört zu diesen Zeichen. Keines davon dreht sich um den Preis an sich, sondern um Stunden geschickter Handarbeit.
